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Wie die Hermann Trollius GmbH eigene Stromerzeugung, Elektromobilität und Energiemanagement miteinander verbindet.

Von der Energiekrise zum eigenen Energiesystem

Als während der Energiekrise der Stromvertrag auslief, wurden die Risiken hoher Energiekosten plötzlich sehr konkret. Für das Familienunternehmen, das seit mehr als 80 Jahren Kalk und Dolomit gewinnt und verarbeitet, ist Energie ein entscheidender Faktor in der Produktion. Für Geschäftsführer Hermann Trollius war diese Erfahrung ein Wendepunkt: „Das Stromdesaster hat mir erst richtig die Augen geöffnet, um die Weichen zu stellen.“ Heute stehen gegenüber dem Steinbruch mehr als 22.000 Solarmodule, eine eigene Windenergieanlage ist im Bau und auch bei Fahrzeugen und Maschinen spielt Strom eine immer größere Rolle. Was als Reaktion auf die Energiekrise begann, hat sich zu einem Energiekonzept entwickelt.


Sonne und Wind im Zusammenspiel
Auf rund acht Hektar hat Trollius einen Solarpark mit 12,2 Megawatt Leistung errichtet. Über eigene Leitungen fließt der erzeugte Strom direkt zum Betrieb. Der Bedarf ist hoch: Rund neun Millionen Kilowattstunden benötigt das Unternehmen jedes Jahr für die Gewinnung und Verarbeitung von Kalk und Dolomit. Über das Jahr betrachtet erzeugt Trollius inzwischen mehr Strom, als das Unternehmen selbst verbraucht. Energieautark ist der Betrieb damit allerdings nicht. Nachts wird weiterhin Strom aus dem Netz benötigt, ebenso in Zeiten, in denen die Photovoltaikanlage aufgrund von Netzüberlastung abgeregelt wird. Deshalb setzt Trollius künftig auf eine zweite Energiequelle. Rund zwei Kilometer vom Standort entfernt entsteht eine Windenergieanlage mit 175 Metern Nabenhöhe und 7,2 Megawatt Leistung. Sie soll im Herbst 2027 ans Netz gehen und die Photovoltaik insbesondere dann ergänzen, wenn weniger Sonnenenergie zur Verfügung steht.

 

Wenn Solarstrom 25 Tonnen bewegt
Der selbst erzeugte Strom kommt längst auch in der Mobilität zum Einsatz. Zwei Elektro-Lkw transportieren Kalk- und Dolomitprodukte, während im Steinbruch ein rund 25 Tonnen schwerer Elektro-Radlader arbeitet. Parallel dazu hat Trollius die Ladeinfrastruktur am Standort ausgebaut. Insgesamt 21 Lademöglichkeiten stehen inzwischen auf dem Firmengelände zur Verfügung und können sowohl für betriebliche Fahrzeuge und Maschinen als auch für private Elektroautos genutzt werden. Dabei geht es nicht allein darum, Strom selbst zu erzeugen und Fahrzeuge elektrisch zu betreiben. Entscheidend ist auch, wann die Energie zur Verfügung steht und wann sie gebraucht wird. Energieintensive Produktionsprozesse sollen deshalb, soweit Auftragslage und betriebliche Abläufe es zulassen, möglichst dann stattfinden, wenn viel eigener Strom zur Verfügung steht. Auch die Mitarbeitenden können verfolgen, wie viel Energie gerade erzeugt und wo sie im Unternehmen eingesetzt wird.

Vom Kostenfaktor zur Strategie
Die eigene Energieversorgung hat bei Trollius inzwischen einen neuen Stellenwert. Erzeugung und Verbrauch werden zunehmend zusammengedacht und auch bei Investitionen in Fahrzeuge, Maschinen und Produktionsabläufe berücksichtigt. Gerade für die energieintensive Baustoff-, Naturstein- und Rohstoffindustrie ist dieser Ansatz interessant. Schwere Maschinen, hohe Lasten und energieintensive Prozesse lassen sich nicht von heute auf morgen umstellen. Trollius geht deshalb Schritt für Schritt vor: erzeugen, nutzen, elektrifizieren, optimieren und weiterdenken. Aus dem Strom, der während der Energiekrise zum erheblichen Kostenrisiko wurde, ist so ein wichtiger Baustein für die weitere Entwicklung des Unternehmens geworden.